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Haenel CR 308 - Erster Eindruck


Seit der Vorstellung im Jahr 2018 auf der „Enforcer Tac“ waren viele auf das neue Gewehr von C.G. Haenel gespannt – uns ging es da nicht anders. Im Dezember 2021 war es dann soweit und wir konnten endlich unsere eigene CR 308 in Händen halten.

 

Die Firma C.G. Haenel ist zwar ein relativ kleines Unternehmen aber blickt auf eine lange Erfahrung in der Herstellung von Waffen zurück. Das CR 308 ist mit seinem Verkaufspreis von rund 3.000 € im „normalen“ Preissegment für ein AR 10 in diesem Kaliber aber nichts desto trotz ist das für viele Leute nicht gerade wenig Geld. Dementsprechend wollen wir und mal anschauen was man für diese Summe bekommt.

 

 

Ausgeliefert wird das Gewehr mit einem Magazin, in einem schlichten Pappkarton und mit einer mechanischen Klappvisierung aus Kunststoff sodass man technisch betrachtet gleich damit auf den Schießplatz gehen kann. Aber gehen wir das Gewehr am besten einmal im Detail von vorne nach hinten durch!

 


An der Mündung finden wir einen schlichten A2 Mündungsfeuerdämpfer mit QD Schalldämpfer-Aufnahme. Wir hätten einen Mündungsfeuerdämpfer der auf der 6-Uhr-Position geschlossen ist bevorzugt, nachdem das Gewehr in unserem Fall auch liegend auf Long-Range-Bahnen geschossen werden wird und man es so etwas vermieden hätte Staub aufzuwirbeln und ihn dann ins Gesicht zu bekommen - somit ist das das erste Teil das wohl ausgetauscht werden wird.

 

Der 20 Zoll lange, kaltgeschmiedete Lauf mit einem 12“ Drall hat ein ordentliches Profil und macht einen soliden Eindruck.

Die CR 308 ist ein Gasdrucklader mit Kurzkolbenhub – dementsprechend befindet sich am Lauf die Gasabnahme mit dem Gaskolben und der Kolbenstange. Die Gasabnahme lässt sich in zwei Stufen einstellen: entweder „normal“ oder „Schalldämpfer“.

 

Der Vorderschaft lässt sich mittels der Schnellspannvorrichtung sehr leicht abnehmen um an die Teile der Gasabnahme zu gelangen. An den 12- und 6-Uhr-Positionen ist er mit STANAG-Schienen ausgerüstet die auf der Picatinny-Schiene basieren und kann somit auch für Picatinny entwickeltes Zubehör aufnehmen. Auf der 3- und 9-Uhr-Position ist der Vorderschaft mit KeyMod bestückt.

 


Der upper receiver ist an der Oberseite auch durchgehend mit einer STANAG-Schiene ausgestattet und hat am Ende – wo der Durchladehebel einrastet – einen Einsatz der anscheinend aus Stahl besteht. Vermutlich soll es diese Stelle vor exzessiver Abnützung durch den Durchladehebel schützen.

 

Auf der rechten Seite befindet sich der sogenannte „forward assist“, mit dem man den Verschluss in Position schieben kann, falls er einmal allein durch den Federdruck nicht einrasten sollte.

 

Der lower receiver ist mit beidseitig bedienbaren Elementen ausgestattet. Nicht nur der Magazinlöseknopf ist beidseitig vorhanden, sondern auch der Verschlussfang und die Sicherung. Die Sicherung hat dabei einen Bedienwinkel von 60°.

 

Und falls man möchte, lässt sich auch der Triggerguard tauschen. Beim Schubschaft handelt es sich um einen AR-15 Schaft an den man so ziemlich alle Arten von Schulterstützen anbringen kann die man möchte.

 


Die verbaute Schulterstütze ist ziemlich wackelig und scheint eher aus dem günstigeren Preissegment zu stammen – leider war keine Markenbezeichnung zu finden. Beim Griff handelt es sich ebenfalls eher um etwas günstiges – nämlich den „UPG16 AR- Pistol Grip“ von CAA Tactical. Er bietet zwar die Möglichkeit den Umfang durch die Verwendung von verschiedenen Griffschalen anzupassen, allerdings befinden sich keine zusätzlichen Griffschalen im Lieferumfang. Viele Hersteller sparen bei der Schulterstütze und dem Griff mit der Erklärung, dass die Käufer genau diese zwei Teile als erstes gegen etwas austauschen was ihren individuellen Anforderungen entspricht.

 


Kommen wir aber nun zum Innenleben – hier gehen nämlich auch einige interessante Dinge vor.

 

Als erstes stellt man fest, dass die Verarbeitung sowohl außen, wie auch innen makellos ist. Es sind keinerlei Unebenheiten oder Werkzeugspuren zu sehen. Alles wurde sauber gefräst und beschichtet. Auch beim Abzug sieht man außer den sauber verarbeiteten Teilen nichts neues.

 

Wirklich interessant wird es erst beim Verschlussträger und dem Verschluss.

 

AR10-Kennern wird auf den ersten Blick auffallen, dass der Verschluss so ca. ab der Hälfte einen geringeren Durchmesser hat als der Vordere Teil. Um genau zu sein hat er den Durchmesser eines AR15 Verschlusses. Das macht es zum einen möglich einen AR15 Schaft zu verwenden was die Auswahl an Schulterstützen enorm vergrößert. Des Weiteren wird durch die geringere Kontur, aber auch durch die Flutungen im hinteren Teil einiges an Gewicht eingespart. Dadurch reduziert sich die bewegte Masse und resultiert in einen schwächeren Rückstoß.

 


Der in Stainless gehaltene Verschluss ist wie bei AR10 üblich mit zwei Ejektoren ausgestattet um einen besseren Auswurf der Hülsen zu gewehrleisten und ist wie der Rest des Verschlusses sauber verarbeitet.

Wenn man aber nicht gerade das erste Mal in seinem Leben einen AR10 -Verschluss sieht, wird man jedoch ziemlich verwundert sein, wenn man ihn sich genauer anschaut.

 

Es wurde nämlich eine Verriegelungswarze entfernt und an der entsprechenden Stelle in der Lauferweiterung ein Pin eingesetzt. Die Frage die sich hier unweigerlich stellt ist: WIESO?

 

Nun – das österreichische Waffengesetzt verlangte noch bis vor einigen Jahren tatsächlich so einen Irrsinn als eine von mehreren Maßnahmen um zu verhindern, dass gewisse Waffen zu Vollautomaten umgerüstet werden können. Dieser Irrsinn fand jedoch schon 2019 durch die EU-Feuerwaffenrichtlinie ein Ende.

 

Wieso der Importeur in Österreich nun im Jahr 2021 noch immer so eine Konfiguration bei HAENEL bestellt, werden wir wohl nie erfahren. Der Vertrieb läuft jedenfalls nicht mehr über diesen Importeur, insofern werden diese Varianten in einigen Jahren nur noch für Kopfschütteln und ein leichtes Schmunzeln sorgen.

 


Wie dem auch sei, kommen wir nun zum Fazit.

 

Das HAENEL CR 308 ist ein durchwegs solides und sehr gut verarbeitetes Gewehr. Die Kombination aus 6 Kg Eigengewicht (inkl. Montage und ZF) mit dem leichten Verschlussträger führen dazu, dass es sehr ruhig im Schuss liegt und dadurch schnelle Folgeschüsse möglich sind. Das Kurzkolbenhub Gassystem ist ab werk sehr gut eingestellt und trägt seinen Teil zum ruhigen Schussverhalten bei. Wir haben bisher nur einige Schüsse damit abgefeuert als wir das Zielfernrohr darauf eingeschossen haben, aber das Gewehr hat bereits einen sehr guten Eindruck bei uns hinterlassen. Sobald wir es etwas ausgiebiger getestet haben, werden wir unsere Erfahrungen in einen weiteren Bericht teilen.